Über das Schreiben

Das Schreiben gehört schon eine Ewigkeit zu meinem Leben. Als ich angefangen habe, mir Geschichten auszudenken und sie mit Bleistift auf Papier zu kritzeln, war ich gerade einmal neun Jahre alt. Damals habe ich das noch Aufsatz schreiben genannt und diese Aufsätze sind immer länger geworden. Als ich mit dreizehn Jahren einen klobigen alten Laptop (der hatte noch ein Diskettenlaufwerk) bekommen habe, kam ich mir schon fast vor, wie eine richtige Schriftstellerin. Denn das wollte ich zu diesem Zeitpunkt bereits werden. Und weil eine richtige Schriftstellerin meiner Meinung nach auch mit zehn Fingern tippen können sollte, habe ich einen Schreibmaschinenkurs an der Volkshochschule belegt und jeden Tag fleißig an meinem Laptop geübt. Heute bin ich sehr froh über die Zeit und Mühe, die ich damals investiert habe, denn wenn die Ideen sich in meinem Kopf überschlagen, fliegen die Finger wie von allein über die Tastatur und das ist immer einer der schönsten Momente beim Schreiben.

Tee und Laptop

Als ich mit dreizehn Jahren angefangen habe, neben meinen Kurzgeschichten auch Romane zu schreiben, musste ich feststellen, dass das gar nicht so einfach ist. Ohne zu Plotten habe ich einfach drauf los geschrieben und mich dann gewundert, als ich nicht weiter kam. Die Handlung geriet ins Stocken und auch die Figuren widersetzten sich meinem Willen. Da dämmerte mir langsam, das zum Schreiben nicht nur Fantasie, Kreativität und Motivation erforderlich sind. Es ist ein Handwerk, das wie jedes andere Handwerk auch erlernt werden will. Ich habe also im Internet nach Schreibtipps erfolgreicher Autoren recherchiert, Fachzeitschriften zu dem Thema abonniert und die Schreibratgeber von James N. Frey rauf und runter gelesen. Ich habe verschiedene Methoden des Plottens ausprobiert, mich mit den Schritten der Heldenreise auseinandergesetzt, Rollenbiografien geschrieben und Interviews mit meinen Figuren geführt. Ich habe Mind-Maps, Skizzen und Schreibpläne erstellt, verschiedene Erzählperspektiven ausprobiert, mein gesamtes Umfeld zu Testlesern erklärt … Dieser Lernprozess ist noch immer nicht abgeschlossen – zum Glück.

Der handwerkliche Aspekt gehört für mich zum Schreiben einfach dazu, er erfordert ebenfalls eine Menge Kreativität und trägt nicht zuletzt dazu bei, dass sich mein Schreibstil weiterentwickelt.

Wie überall im Leben gehört auch beim Schreiben das Scheitern und Erproben verschiedener Methoden zum Lernen dazu. Dass ich meine ersten Romanversuche abgebrochen habe, hat mich nicht im Geringsten entmutigt, denn bei jedem Projekt habe ich etwas Wertvolles dazu gelernt und Freude am Schreiben hatte ich ja ohnehin.

Mit fünfzehn Jahren habe ich mein erstes Romanprojekt zu Ende gebracht und obwohl der Text noch längst nicht gut genug war, um veröffentlicht zu werden, war das ein großer Erfolg für mich. Denn Ausdauer, Geduld und Hartnäckigkeit – das hatte ich inzwischen gelernt – sind für Autorinnen und Autoren genauso unverzichtbar wie Kreativität und Leidenschaft. Schreiben macht Spaß, aber es ist auch Arbeit, die mit Konzentration Tag für Tag weiter verfolgt werden muss. Und das habe ich bei jedem meiner folgenden Projekte getan.

Als ich irgendwann vor der Frage stand, wie ich mein Schreiben noch weiter verbessern könnte, habe ich mich an der Universität Hildesheim für ein Bachelorstudium beworben. Außerdem habe ich einen Schreibkurs bei dem Bestseller Autoren Rainer Werkwerth belegt. Innerhalb dieses Kurses ist das Grundgerüst für meinen Roman „Emily Bloomfield“ entstanden und ich habe viel Zuspruch und Motivation von Rainer bekommen.

Buch, Füller, Lakritz

Das Schreiben im universitären Kontext hat für mich dagegen weniger gut funktioniert. Die Universität Hildesheim bietet viele Seminare und Übungen in diesem Bereich an, weswegen ich dort ein Studium der Kulturwissenschaften mit dem Schwerpunkt Literatur begann. Hier lernte ich schnell, dass kreatives Schreiben nicht gleich kreatives Schreiben ist. Durch meine hauptsächlich autodidaktische Aneignung des Schreibhandwerks war ich mittlerweile sehr vertraut mit der amerikanischen Schule des creative writing, wie es auch James N. Frey praktiziert und in seinen Ratgebern erläutert. Diese Form des Schreibens eignet sich am besten für Genreliteratur mit einem Handlungsbogen, der auf Spannung setzt. Ich bin keineswegs der Meinung, dass es sich dabei um den einzig richtigen Schreibansatz handelt, und ich bin eine Befürworterin davon, verschiedene Methoden zu erforschen. Doch das Schreiben an der Universität hat meinen Texten nicht gut getan und mir auch keinen Spaß mehr gemacht. Ich habe mich daher im Studium auf mein Nebenfach Medien konzentriert und wieder ausschließlich in meiner Freizeit geschrieben.

Zwischen dem Bachelor- und dem Masterstudium hat sich meine Entscheidung dann als richtig herausgestellt, als sowohl „Emily Bloomfield“ als auch mein nachfolgendes Projekt „Liv & Leif“ bei den Schreibwettbewerben von Ravensburger (SchreibmitRavensburger) und Arena (digi:talents) das Finale erreichten. „Liv & Leif. Die Wurzeln des Schicksals“ ist mittlerweile bei Arena erschienen und ich arbeite fleißig an weiteren Romanen, die hoffentlich ebenfalls bald veröffentlicht werden.

Laptop im Zug

Ich bin sehr gespannt darauf, wie meine Reise mit dem Schreiben weiter verlaufen und wie mein Stil sich zukünftig entwickeln wird. Als abschließende Erkenntnis kann ich an dieser Stelle nur festhalten, dass wohl jeder Schreiber für sich selbst den richtigen Weg und die passenden Methoden entdecken muss. Egal ob am Gartentisch, im Zug oder im Büro, bei Musik oder absoluter Stille, nachts oder am Nachmittag, mit dem Füller oder an der Tastatur – am wichtigsten ist, dass man mit Leidenschaft und Ausdauer dabei ist und seine eigene Schreibroutine findet.

Wenn ihr mehr über meinen Arbeitsprozess beim Schreiben erfahren wollt, schreibt mir eure Fragen gerne unter „Über mich“. Dann werde ich zu diesem Thema noch einen Blogpost verfassen.